Was ist Interactive Fiction oder eine interaktive Novelle?

Bereits Mitte der 1970er erschienen die ersten interaktiven Geschichten in Form von Spielbüchern. Angelehnt an klassische Pen&Paper-Rollenspiele konnte der Leser damit seine eigenen Solo-Abenteuer erleben. Das Buch ersetzte in gewisser Weise den Spielleiter und die Mitspieler. Dazu waren die Bücher in einzelne Abschnitte unterteilt, die keiner festen Reihenfolge entsprachen. Stattdessen gelangte der Spieler beim Lesen immer wieder an Stellen im Buch, an denen er eine Entscheidung treffen musste: Töte ich jetzt den Drachen und riskiere, dass die Prinzessin von der Klippe stürzt, an die sie sich gerade so noch mit einer Hand klammern kann? Oder rette ich die Prinzessin und lasse dafür den Drachen entkommen, der dann weiter sein Unwesen treiben kann?

Je nach dem für welchen Weg sich der Spieler entschieden hat, konnte er die Geschichte dann auf der einen oder der anderen Buchseite weiter lesen. – Für jede Entscheidung gab es also einen anderen Pfad durch das Buch.

Solche interaktiven Geschichten kann es in verschiedenen Varianten geben. Einige verzichten vollständig auf ein Regelsystem und machen den Verlauf der Geschichte voll und ganz von den Entscheidungen des Lesers abhängig. Andere verwenden sehr vereinfachte Regeln, die je nach Wahl des Lesers beispielsweise Lebenspunkte abziehen oder hinzufügen. Und wieder andere verwenden das vollständige Regelsystem eines Pen&Paper Rollenspiels, inklusive Charakterbogen und Würfeln. Das Buch gibt dann die zu würfelnde Probe vor und legt die Konsequenzen – und damit den weiteren Verlauf der Geschichte – für jedes mögliche Würfelergebnis fest.